erschienen am 22.03.2022 BKG veröffentlicht 13. Bayerischen Krankenhaustrend

Folgen der Pandemie treffen Kliniken hart

Kliniken stellen sich der Zukunft, doch personelle und wirtschaftliche Situation bedroht Entwicklung

„In bayerischen Krankenhäusern bedrohen die akuten Folgen des über zweijähren Kampfes in der Pandemie die nötigen Weichenstellungen für die Zukunft. Personell und finanziell ist die Kraft verbraucht“ so Landrätin Tamara Bischof, 1. Vorsitzende der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG).
„Fast Zweidrittel der bayerischen Kliniken schrieben letztes Jahr rote Zahlen. In 2022 werden es wohl noch mehr sein, wenn die Politik nicht handelt.“
Seit vielen Jahren nimmt die Anzahl der Kliniken, die ein Jahres-Defizit verbuchen müssen, konstant zu – lediglich 2020 waren es aufgrund der fairen Ausgleichszahlungen zu Beginn der Pandemie „nur“ 40 % gewesen.

„Nicht erst seit der Pandemie wissen wir, welche zentrale und wichtige Rolle unsere Krankenhäuser bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung haben. Es kann doch nicht sein, dass sie dafür nicht annähernd ihre Kosten decken können und die Träger ständig für die Defizite ausgleichen müssen.“ so Bischof weiter und verweist als Landrätin explizit auch darauf hin, dass dies auch für frei-gemeinnützige und zum Teil auch private Kliniken zutrifft.

In einem Schwerpunkt der diesjährigen Abfrage zeigen die Ergebnisse rund um das Krankenhauspersonal, dass in der Pandemie Großartiges geleistet hat, die Personalknappheit, die sich weder kurzfristig noch mit Blick auf die kommenden Jahre vollständig beheben lassen werden.

„Wir wollen die Beschäftigungsbedingungen weiter verbessern und die Politik und Kostenträger müssen dafür die Grundlagen verbessern. Wir brauchen außerdem Lösungen der Zukunft, um mit dem allgemeinen Fachkräftemangel umzugehen.

Die Gebote der Stunde lauten: mehr Kooperation, mehr digitale Unterstützung und mehr klinisch-ambulante Versorgungsangebote für Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern.“ so BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen auf der Pressekonferenz im Münchner Presseclub.

„Wir brauchen einen ‚Transformationsprozess Krankenhaus‘, also einen verlässlichen Fahrplan in die Zukunft mit finanzieller Absicherung der Jahresbudgets für die Krankenhäuser. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht mit den ambulant-stationären Hybrid-Fallpauschalen, der Pflegepersonalbemessung „PPR 2.0“ und Vorhalte-Finanzierungen für eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung richtige Ansätze vor. Bis die wirken können und die Umstellung auf mehr klinisch-ambulante Leistungen in Krankenhäusern erfolgt ist, benötigen die Kliniken eine vollständige Absicherung der vereinbarten Jahresbudgets zu 100 %.“

Auch die längst überdringliche Digitalisierung kann einen wichtigen Beitrag für bessere Versorgung und der Bürokratie-Entlastung von Fachkräften leisten. Doch der Weg dahin ist kein Selbstläufer. „Nur jede dritte Klinik sieht sich für die künftigen Anforderungen der Digitalisierung und der Telematik-Infrastruktur nach Umsetzung der einmalig über das Krankenhaus-Zukunftsgesetz (KHZG) geförderten Maßnahmen gut gerüstet“, betont Christina Leinhos, Leiterin Digitalisierung der BKG.

Die Klinik-Geschäftsführungen fordern unisono einen kontinuierlichen IT-Betriebskosten-Zuschlag für die Zeit der digitalen Transformation. Dabei sind die bayerischen Kliniken zur Kooperation auch in der IT bereit: 2 von 3 Kliniken wollen Ihre IT-Kräfte bündeln. „Die BKG möchte für die digitale Zusammenarbeit der Kliniken in Bayern in diesem Jahr in guter Abstimmung mit dem Freistaat eine professionelle Plattform schaffen“, ergänzt Leinhos.

Auch die deutlich steigende Inflation in Deutschland macht sich in den Kliniken längst bemerkbar. Der russische Überfall auf die Ukraine tut sein Übriges dazu. Die Krankenhaus-Geschäftsführungen erwarten von der Politik, dass sie sämtliche nachgewiesene Kostensteigerungen refinanziert bekommen, insbesondere die
Finanzierung der steigenden Energiekosten.

Die sachfremde Begrenzung auf die Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen der Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung bedroht 2022 und die nächsten Jahre die wirtschaftliche Existenz vieler Kliniken, zumal erhöhte Steuerzuschüsse des Staates an die Krankenkassen aufgrund dieses methodischen Fehlers von den Kassen nicht an die Kliniken weitergegeben werden dürfen.

Die Klinik-Leitungen befürchten zusätzliche Defizite, die sowohl von den Trägern ausgeglichen werden müssen (85,7 %). Eine zunehmende Gefahr von Klinikschließungen aus rein wirtschaften Gründen bzw. steigender Druck auf die Belegschaften (jeweils 73 %) bedeuten auch eine Gefährdung der Versorgung (65,9 %). Der Bundesgesetzgeber muss unverzüglich die Möglichkeit schaffen, dass die sprunghaft steigenden Kosten in den Kliniken auch refinanziert werden können.

Auch im Ausblick auf den kommenden 2 bis 3 Jahre sehen Bayerns Klinik-Verantwortliche überwiegend dunkle Wolken am Himmel.

Nahezu 70 % der bayerischen Krankenhäuser sehen die künftige wirtschaftliche Gesamtsituation negativ.

Der Bundesgesetzgeber ist aufgerufen, die gestellten Zukunfts-Weichen im Koalitionsvertrag als verlässliche Grundlage für die Kliniken kurzfristig umzusetzen und die Betriebskostenfinanzierung weniger fallabhängig und auskömmlicher für alle bedarfsnotwendigen Krankenhäuser zu machen. Und der Freistaat muss die Investitionsfinanzierung spätestens nach der nächsten Landtagswahl 2023 deutlich erhöhen, um die Klinik-Infrastruktur in Bayern zukunftsfest zu machen“, fasst Landrätin Bischof die Forderungen der BKG zusammen.

Die Pressekonferenz kann hier online nachträglich noch eingesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=c-FpeC5gWMI

Hintergrund

Bei der Pressekonferenz im Münchner Presseclub präsentierten die BKG-Vorsitzende Landrätin Tamara Bischof sowie BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen zusammen mit der Geschäftsbereichsleiterin Politik und Digitalisierung, Christina Leinhos, die Ergebnisse aus der jährlichen Umfrage zum Bayerischen Krankenhaustrend.
Darin werden neben der wirtschaftlichen Lage der bayerischen Krankenhäuser zudem eine Einschätzung der Klinik-Chefs zur Gesamtlage in den folgenden 2 bis 3 Jahren abgefragt.
Bei der diesjährigen Schwerpunktabfrage ging es zudem um die Bereiche Personal, Ausbildungsberufe, Impfpflicht sowie Inflationsausgleich und IT/Digitalisierung.
Befragt wurden die Krankenhaus-Leitungen aller bayerischer Krankenhäuser.

Ausführliche Ergebnisse finden Sie hier als Download zu dieser Pressemitteilung 

Mediale Berichterstattung

Auf unserer BKG-Homepage, unserem Facebook-Profil (https://www.facebook.com/krankenhausgesellschaft) und LinkedIn-Seite (https://www.linkedin.com/company/12523384) sind ebenfalls Links finden.

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft ist der Zusammenschluss von etwa 190 Krankenhausträgern mit über 360 Krankenhäusern und insgesamt ca. 75.000 Betten in Bayern. Etwa 3 Millionen Patient:innen werden jährlich in den bayerischen Krankenhäusern umfassend stationär behandelt. Zusätzlich versorgen die Kliniken im Freistaat über 2,5 Mio. ambulante Notfallpatient:innen. Die bayerischen Krankenhäuser erbringen hierfür das gesamte Leistungsspektrum der medizinischen und pflegerischen Versorgung.

Die Einrichtungen sind zugleich einer der bedeutendsten Arbeitgeber Bayerns. Über 210.000 Menschen der verschiedensten Berufe beziehen ihr Einkommen von bayerischen akutstationären Krankenhäusern, davon über 30.000 Ärzte sowie knapp 80.000 im Pflegedienst sowie etwa 100.000 in weiteren Berufen und Tätigkeitsbereichen im Krankenhaus. Etwa 13.000 Auszubildende in der Pflege sowie etwa 2.300 in einer Vielfalt von weiteren Ausbildungsberufen werden in den Kliniken im Freistaat ausgebildet.

(Stand: 3/2022; Quelle: Statistisches Bundesamt Destatis sowie BKG)