erschienen am 28.01.2021 Krankenhäuser garantieren Versorgung in der Pandemie und erwarten Sicherheit

Bayerische Kliniken im zweiten Pandemiejahr

Das Jahr 2021 begann für die Krankenhäuser in Bayern unter außergewöhnlichen Vorzeichen. Weiterhin steht die Versorgungs- und Patientensicherheit durch höchstes Engagement der Klinik-Belegschaften unter Corona-Bedingungen im Mittelpunkt.

Der Impfstart ist inzwischen ein erster Lichtblick, weil immerhin bereits mehr als jeder fünfte Klinikbeschäftigte, insbesondere auf den von COVID-19-betroffenen Stationen, aber auch in den Notaufnahmen geimpft werden konnte und die Impfbereitschaft beim gesamten Klinikpersonal ungebrochen vorbildlich ist.

Allerdings machen die immer noch zu hohe Zahl der Neuinfektionen, die dramatischen Sterbezahlen mit und an Corona sowie die große Ungewissheit über Virus-Mutationen erheblich Sorgen. Die Belegungen der Intensiv- und COVID-Stationen sind seit dem Höchststand rund um die Weihnachtsfeiertage nur leicht gesunken und spürbar über dem Stand in der ersten Welle im Frühjahr.

Sorgen bereitet umso mehr die ungewisse Finanzierung für die Kliniken in 2021, weil die normale Refinanzierung aus dem Regelsystem durch coronabedingte Freihaltungen und Mehraufwände weiterhin teilweise außer Kraft gesetzt werden muss.

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) schließt sich daher mit Nachdruck der Forderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) an, dass kurzfristige Finanzhilfen als Liquiditätssicherung für das zweite Jahr der Pandemie erforderlich sind.

„Anders als im letzten Jahr ist die finanzielle Absicherung der Krankenhäuser aktuell lückenhaft und insbesondere ab 1. März höchst ungewiss“, erklärt BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen. Bis Ende des vergangenen Jahres konnten die Krankenhäuser auf einen Gesamtjahresausgleich von Erlösen und Kosten vertrauen, doch dieses Instrument ist nun ausgelaufen.

„Deshalb fordern wir Liquiditätshilfen für alle Krankenhäuser bis mindestens Mitte des Jahres 2021, die am Jahresende mit den normalen Klinik-Budgets anteilig verrechnet werden können“, erläutert Engehausen.

Die Kliniken benötigen zudem dringend weniger Bürokratie. Das Reduzieren von nicht notwendigen Dokumentationen und das zeitweise Nichtberücksichtigen der sogenannten Pflegepersonaluntergrenzen hatten sich im Frühjahr 2020 bewährt. „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wieso die Kliniken derzeit mehr mit Bürokratie und starren Regelungen belastet werden, als zu Beginn der Pandemie“, so Engehausen.

Für die bayerischen Krankenhäuser steht die Bewältigung der Pandemie sicherlich noch einige Monate im Mittelpunkt ihres Engagements. Sie verbinden ihre Hoffnungen und Erwartungen damit, dass die Politik damit beginnt, die richtigen Konsequenzen aus der Pandemie zu ziehen und mit den Kliniken und den Krankenkassen gemeinsam die stationäre Versorgung in Bayern zukunftsweisend neu ausrichtet.

„In Bayern hat sich das gestufte System aus Kliniken der Grund-, Schwerpunkt- und Maximalversorgung mit guter Zusammenarbeit untereinander ganz besonders bewährt“, betont Engehausen. Mit einer aktiven Krankenhausplanung durch den Freistaat Bayern gilt es aus Sicht des BKG-Geschäftsführers, diese soliden Strukturen zukunftsfest zu machen.

„Strukturelle Bundesvorgaben müssen auf die praktischen regionalen Gegebenheiten in Bayern so angepasst werden, dass die Krankenhausträger mehr Sicherheit erhalten“, fordert Engehausen. Für bedarfsnotwendige Klinikstrukturen braucht es aus Sicht der BKG eine stabile Basisvergütung für die Rundum-Verfügbarkeit eines Krankenhauses, etwa in der Notfallversorgung.

Damit verbunden braucht es ein verbindliches, praxisorientiertes Personalbemessungssystem in der Pflege. Ein Vorschlag hierzu haben die Krankenhausträger gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern längst erarbeitet und dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt, das diese Ideen immer noch nicht aufgegriffen hat.

„Darüber wird in einigen Monaten zu reden sein, wenn die Pandemie hoffentlich bewältigt sein wird“, fasst Engehausen seine Erwartungen an eine zukunftsorientierte Krankenhauspolitik zusammen. 

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft ist der Zusammenschluss von etwa 190 Krankenhausträgern mit über 360 Krankenhäusern und insgesamt ca. 75.000 Betten in Bayern. Etwa 3 Millionen Patienten werden jährlich in den bayerischen Krankenhäusern umfassend stationär behandelt. Zusätzlich versorgen die Kliniken im Freistaat über 2,5 Mio. ambulante Notfallpatienten. Die bayerischen Krankenhäuser erbringen hierfür das gesamte Leistungsspektrum der medizinischen und pflegerischen Versorgung.

Die Einrichtungen sind zugleich einer der bedeutendsten Arbeitgeber Bayerns. Über 210.000 Menschen der verschiedensten Berufe beziehen ihr Einkommen von bayerischen akutstationären Krankenhäusern, davon über 30.000 Ärzte sowie knapp 80.000 im Pflegedienst sowie etwa 100.000 in weiteren Berufen und Tätigkeitsbereichen im Krankenhaus. Etwa 13.000 Auszubildende in der Pflege sowie etwa 2.300 in einer Vielfalt von weiteren Ausbildungsberufen werden in den Kliniken im Freistaat ausgebildet.

(Stand: 07/2021; Quelle: Statistisches Bundesamt Destatis sowie BKG)