erschienen am 14.04.2026 Bayerns Krankenhäuser fordern ein Ende der Jo-Jo-Politik bei der Krankenhausfinanzierung
BKG stellt Bayerischen Krankenhaustrend 2026 vor
Leistungsfähige Kliniken – das ist es, was sich alle Bürgerinnen und Bürger wünschen, um bei schwerer Krankheit und im Notfall rasch, qualitativ hochwertig und menschlich versorgt zu werden.
Doch die Politik macht es schwer, dieses Versprechen einzulösen: Unterfinanzierung seit mehreren Jahren, Bürokratie und immer komplexere gesetzliche Anforderungen werden zur Belastung. Dies zeigen die Ergebnisse der Umfrage zum Bayerischen Krankenhaustrend 2026, den die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) heute vorstellte.
Der von der Bundesregierung eingeführte befristete Rechnungszuschlag nach den Rekorddefiziten der letzten Jahre wirkt im letzten und in diesem Jahr noch positiv. Aber trotz dieser leichten Verschnaufpause schreiben immer noch zwei von drei Kliniken in Bayern Verluste und der Ausblick auf das nächste Jahr ist besorgniserregend. Besonders kritisch sieht die BKG die fehlende Verlässlichkeit der finanziellen Grundlage, wenn auf befristete Soforthilfen an anderer Stelle neue dauerhafte Belastungen folgen. Nun sollen nach den Vorschlägen der FinanzKommission Gesundheit für die Kliniken in Bayern sogar pauschale Erlöskürzungen von über 1 Milliarde Euro im Raum stehen.
„Die Botschaft unserer diesjährigen Umfrage ist eindeutig“, so Landrätin Tamara Bischof, 1. BKG-Vorsitzende. „Die Verantwortlichen in den bayerischen Krankenhäusern setzen die große Krankenhausreform um und erwarten einen verlässlichen Rahmen, der die Kliniken aus der dauerhaften Defizit-Situation befreit. Die Jo-Jo-Politik bei der Krankenhausfinanzierung zu Lasten der Krankenhausträger muss ein Ende haben.“
BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen ergänzt: „Kein einziges Krankenhaus rechnet damit, dass die Krankenhausreform bei sich für mehr wirtschaftliche Stabilität führt, im Gegenteil: Es wird mit erneut steigenden Kosten durch weitere Vorgaben gerechnet, die jede Behandlung teurer machen.“
Landrätin Bischof stellt klar: „Krankenhäuser machen keine Milliardengewinne wie in der Pharmaindustrie. Einsparungen bei stationären Behandlungen sind nur dann möglich, wenn dadurch die Klinikdefizite nicht weiter nach oben getrieben werden“ und ergänzt: „Jede nicht erforderliche Behandlung zu vermeiden ist für die Gesellschaft und die Beitragszahler besser als Kliniken in ständiger Insolvenzgefahr.“
Bischof und Engehausen fordern für die Umsetzung der Kommissionsvorschläge in ein Gesetz: „Wir brauchen einen Pakt aller verantwortlichen Akteure, um machbare Einsparpotentiale gemeinsam auf dem Weg bringen zu können. Gezielte Konsumsteuern sind sinnvoll, aber ohne wirksame Prävention und Patientensteuerung können vermeidbare Behandlungen und Kassen-Ausgaben nicht ausreichend reduziert werden.“
In der Umsetzung der Krankenhausreform in Bayern gibt es von den Klinikverantwortlichen für den Kurs des Bayerischen Gesundheitsministeriums Verständnis, bei planbaren Leistungsgruppen (Hüft- oder Knie-Operation, Wirbelsäuleneingriffe und Adipositas-Operationen) gezielte Konzentrationen vorzunehmen. Die BKG betont: „Wir unterstützten eine sinnvolle Angebotskonzentration in der Krankenhausplanung bei mengensensiblen Leistungen und unterstützen auch die FinanzKommission Gesundheit bei Vorschlägen zu verpflichtenden Zweitmeinungen in diesen Bereichen. Die Kommission hätte mutiger sein können, statt damit nur bei mit Knie-Operationen beginnen zu wollen,“ so Engehausen.
Gleichzeitig ist die Sicherstellung einer flächendeckenden stationären Versorgung insbesondere für die akutmedizinischen Bereiche im Blick zu behalten. Dazu erläutert Engehausen: „Die Klinikverantwortlichen stellen sich einerseits aktiv dem Transformationsprozess der Krankenhausreform. Die meisten von ihnen (84 %) befürchten andererseits ein hohes Unverständnis in der Bevölkerung bei Reduzierungen des jeweiligen Leistungsspektrums.“
Aus BKG-Sicht ist eine ehrlichere Politik erforderlich. Es darf künftig bei gesetzlichen Sparmaßnahmen und Strukturreformen im Krankenhausbereich gegenüber Bürgerinnen und Bürgern nicht länger so getan werden, als ob damit keinerlei Versorgungseinschnitte verbunden wären.
Einen Lichtblick gibt es bei den Potentialen der Künstlichen Intelligenz (KI): Der Einsatz von KI ist aus den Kliniken nicht mehr wegzudenken und die große Mehrheit der Krankenhausverantwortlichen sieht in der aktuellen Umfrage keinen zusätzlichen Regulierungsbedarf. „Professioneller KI-Einsatz kann der Innovationsmotor in der Versorgung werden, wenn die Kliniken dabei nicht von einer neuen Überregulierung ausgebremst werden“, betont Engehausen.
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Die Aufzeichnung der Pressekonferenz kann (mit etwas zeitlicher Verzögerung ab Nachmittag, ca. 15 Uhr) im Nachgang auf dem YouTube-Kanal des internationalen Presseclubs München noch angesehen werden.
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