erschienen am 19.10.2026 Bayerns Klinik-Verantwortliche gestalten die Krankenhausreform und fordern in Bad Wörishofen zwei zentrale politische Nachbesserungen im Bund

Die Großwetterlage über der bayerischen Krankenhauslandschaft ist bedrohlich, bietet jedoch auch Lichtblicke. Das macht sich auch bei der Jahrestagung der bayerischen Klinikleitungen vergangene Woche bemerkbar: Im Fokus standen neben den Herausforderungen, die sich aus der Umsetzung der Krankenhausreform und dem zusätzlichen Kostendruck durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ergeben, auch Gestaltungsmöglichkeiten. Die gesetzlichen Rahmenbedingen der laufenden Reformen erhielten jedoch scharfe Kritik.

Die Krankenhauslandschaft steht unter enormem Transformationsdruck unter komplexesten Anforderungen. Mut für ein positives Zukunftsbild lassen sich die bayerischen Krankenhausdirektorinnen und -direktoren allerdings nicht nehmen: „Die Krankenhäuser in Bayern sind schon auf einem guten Weg sich mit den gegenwärtigen und vor allem auch den zukünftigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen anzupassen. Aus unseren Gesprächen geht deutlich hervor, dass die Notwendigkeit der Umsetzung der Reformen in der Krankenhausstruktur erkannt wird und engagiert Lösungswege gefunden und sogar schon umgesetzt werden“, berichtet Dr. Thomas Weiler, Landesvorsitzender des Verbandes des Klinikmanagements Deutschland e.V..

Mit der aktuell laufenden Zuweisung der Leistungsgruppen in Bayern bekämen die Häuser nun auch etwas mehr Planungssicherheit für die zukünftige Aufstellung des Versorgungsangebotes. Entsprechend dominierten Entwicklungspotenziale und das Nutzbarmachen von Chancen die Diskussionen in Bad Wörishofen. „Es ist beeindruckend, mit wie viel Energie und Verantwortungsbewusstsein die Klinikleitungen in Bayern die Herausforderungen angehen“, betont Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Und ergänzt: „In nahezu allen bayerischen Krankenhäusern gibt es Veränderungsprozesse mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten neuer Medizin- und Standortkonzepte sowie Projekte zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit. Diese Veränderungen sind teilweise auch mit schmerzhaften Prozessen verbunden, aber zukunftsorientiert erforderlich zur Sicherstellung einer guten und flächendeckenden Versorgung. Dies gilt auch für die nun mögliche Neuausrichtung regionaler Krankenhausstandorte als sektorübergreifende Versorgungseinrichtungen“.

Engehausen übt allerdings auch Kritik an der allgemein unsicheren Finanzierungslage und Überbürokratisierung, die vielen Krankenhäusern die notwendigen Umstrukturierungen erschwert. „Planungssicherheit braucht eine verlässliche Finanzierung und vor allem weniger Vorgaben. Wenn wir Transformation und Innovation bei massiv begrenzten Finanzmitteln voranbringen wollen, muss der individuelle Handlungsspielraum für die Krankenhäuser größer und unnötige Struktur- und Personalvorgaben endlich reduziert werden“, fasst Engehausen eine zentrale Forderung aus Bad Wörishofen zusammen.

Die zweite zentrale Forderung der Diskussionen betrifft die Vorhaltefinanzierung. Bei der Frage, wer sich für eine Aussetzung der Vorhaltefinanzierung aussprechen würde, hob das Plenum nahezu ausnahmslos die Hände. Der Begriff höre sich zwar gut an, aber das gesetzliche Regelwerk bleibe eine Mogelpackung mit unnötiger Bürokratie und Unsicherheit: „Wenn ein Krankenhaus seine Leistungsangebote nicht ändert, hat die Vorhaltefinanzierung keine Auswirkung. Aber sinnvolle Transformationen werden durch dieses Instrument bestraft. So eine Regelung braucht niemand. Die Vorhaltefinanzierung ist auszusetzen und mit Einbindung der Praktiker neu zu entwickeln“, fasst Engehausen das Meinungsbild zusammen.

Von der Jahrestagung geht ein deutliches Signal an Landes- und Bundespolitik aus: Bayerns Krankenhäuser haben den Auftrag für eine zukunftstaugliche Aufstellung der Versorgungslandschaft angenommen und befinden sich bereits engagiert in der Umsetzung der notwenigen Transformation. Für ein vollständiges Gelingen, die Wahrung von Trägervielfalt sowie verlässlicher Versorgungsstrukturen und Versorgungsqualität fordern Bayerns Klinikverantwortliche allerdings dringend notwendige Anpassungen an den entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Zum Hintergrund:
Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) und der Verband des Klinikmanagements Deutschlands laden jährlich zur Herbsttagung der Bayerischen Krankenhausdirektor:innen ein. Rund 100 Geschäftsführende der bayerischen Krankenhäuser folgten der Einladung zur mehrtägigen Tagung in Bad Wörishofen.

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